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Eltern-Kind-Singen

 

Eltern-Kind-Singen

Verein zur Förderung frühkindlichen Musik-Erlebens

 

Im März 2000 wurde auf meine Initiative der Verein Eltern-Kind-Singen gegründet mit dem Ziel, das Singen im allgemeinen und besonders bei den jungen Müttern zu fördern. In den ersten Jahren seines Bestehens wurde eine grosse Aufbauarbeit geleistet: Es wurde ein Ausbildungskonzept entwickelt, darauf basierend bildeten wir Kaderleute aus, die nun ihrerseits Basiskurse anboten. 2005 wurden die Bedingungen etwas angehoben, es wird obligatorisch eine Eignungsabklärung verlangt und die Ausbildungskurse schliessen mit einem Zertifikat ab. Bis Frühjahr 2006 haben wir mehr als 40 Frauen ausgebildet.

Im Jahr 2009 erschien: Weber, E. W. (Hsgb): Eltern-Kind-Singen mit Beiträgen von Karl Adamek, Joachim Bauer, Kristine Fischer, Lutz Jäncke, Helmut Moog, Hanus Papousek, Heinrich Pestalozzi, Hellmuth Petsche, Isabella Steffen-Meister, Margrit Vonaesch und Ernst Waldemar Weber.     ISBN 978-3-033-01955-3   Erhältlich über ewawe@muri-be.ch.

Näheres finden Sie unter http://www.eltern-kind-singen.ch/

 

Vereinsgeschichte

Vorbemerkung: Dieser Text, den ich auf Wunsch des Vorstandes anhand der Jahresberichte und der Info-Bulletins verfasst habe, war zunächst sachlich distanziert gehalten. Es störte mich aber immer mehr, mir selber darin in der dritten Person zu begegnen, und so habe ich diesen Bericht zu einer einfachen Erzählung umgeschrieben. So ist es mir auch möglich, hie und da eine persönliche Bemerkung anzubringen und von Dingen zu berichten, die bisher nicht offiziell mitgeteilt wurden.         

Muri, den  28. November 2009                                                     Ernst Waldemar Weber.

Im September 1999 gab mir eine Bekannte einen Artikel von Pfarrer Hans-Jürg Stefan in "Neues Singen in der Kirche" zu lesen, worin über Mutter-Kind-Singen in Chur berichtet wurde. Ich war sofort begeistert. Denn es war mir lange schon schmerzlich aufgefallen, dass viele junge Mütter mit ihren kleinen Kindern nicht mehr sangen, keine Schlaflieder, Trostlieder und Spiellieder mehr, auch keine Kniereiter und Fingerspiele, wie sie unsere vier Kinder immer so geliebt hatten. Hier sah ich eine Möglichkeit, all das wieder zu beleben und damit auch ein wertvolles Kulturgut zu erhalten. Ich war damals Sekretär und treibende Kraft in der Schweizer Konferenz Schulmusik SKSM und in der Koordination Musikerziehung Schweiz KMS und verfügte von daher über Adressen. Ich sandte also „an alle Verbände und Einzelpersonen, die an einer Förderung des Singens interessiert sind“, ein Schreiben, worin ich an die verblassten Traditionen des gemeinsamen Singens abends auf Plätzen, auf Schulreisen und in der Familie erinnerte. „Ich möchte versuchen, wieder etwas von der ursprünglichen Singfreude zurückzuholen. Denn wir Menschen sind zum Singen geboren; unsere ersten Laute waren Sing-Laute, und vor Lust an den eigenen Tönen haben wir freudig gestrampelt“ schrieb ich und lud ein zu einer Tagung zum Mutter-Kind-Singen am 20. November 1999 am Hirschengraben in Zürich.

Es kamen elf Personen, vier liessen sich entschuldigen. Ich erzählte kurz von meinen Schulversuchen mit erweitertem Musikunterricht und von der SKSM und der durch sie gegründeten KMS und deren erfolgreiche Aktivitäten (Artikel 69,2 in der neuen Bundesverfassung und Motionen Bangerter und Danioth zur Musikerziehung). Die TeilnehmerInnen berichteten über bestehende Aktivitäten im Muki-Singen. Aus der Diskussion ergab sich, dass an 2 bis 4 jährige Kinder gedacht werde, dass es sich nicht um Unterricht, sondern um freudiges Spiel handeln müsse, dass aber der Anspruch an die Leitung hoch sei, dass die Leiterinnen also sowohl pädagogisch geschult wie musikalisch kompetent sein müssten.

Es wurde beschlossen, am 11. März 2000 den Verein „zur Förderung frühkindlichen Singens" zu gründen. Es kamen 24 Personen, Karl Adamek, Edouard Garo, Wilfried Gruhn und Josef Röösli sandten Grussadressen, zwei Personen liessen sich entschuldigen. Mein Entwurf für die Statuten wurde gründlich diskutiert, schliesslich aber die bereinigte Fassung einstimmig genehmigt. Auf dieser Grundlage erfolgte die Gründung des Vereins Mutter-Kind-Singen.

An der ersten Vorstandssitzung unmittelbar nach der ersten Mitgliederversammlung wurden Katrin Schild als Präsidentin und Isabella Steffen-Meister als Vizepräsidentin gewählt. Ich übernahm das Sekretariat und die Führung der Kasse. Nachdem das Postcheck-Konto eröffnet war, verschickte ich am 5. April an 116 Adressen die Protokolle der Gründungs- und der ersten Mitgliederversammlung, die Statuten, die Beitrittserklärung, den Flyer und einen Einzahlungsschein.

An der Vorstandssitzung vom 1. Juni in Zürich kamen Meinungsdifferenzen bezüglich Flyer, Tempo, Qualitätsanspruch und Führungsstil zur Sprache. In der Folge erklärten Katrin Schild und eine weitere Person ihren Rücktritt aus dem Vorstand, und dieser wählte mich zum Präsidenten, was ich mit gemischten Gefühlen und bloss „ad interim“ annahm. Für ein Logo lagen aus dem Kreis der Mitglieder bereits vier Entwürfe vor; einer davon wurde zur Weiterbearbeitung ausgewählt. Die Einführungsveranstaltungen im Herbst wurden aufgegleist, für regionale, von den Mitgliedern autonom organisierte Treffen grünes Licht gegeben und dafür ein Beitrag aus der Vereinskasse zugesichert. Für die Weiterbildung wurde ein langfristiges Konzept aus drei Bausteinen skizziert: Basiskurse, Aufbaukurse, Diplomkurse.

Das erste Info-Bulletin erschien am 26. Juni. Es informierte über die Beschlüsse des Vorstandes vom 1. Juni, über die Einführungsveranstaltungen und die Weiterbildung, regte regionale Treffen und Singabende an, rief zur Mitgliederwerbung auf und teilte mit, wie sich der Vorstand konstituiert hatte. Die Mitglieder erhielten eine Mitgliederliste. Das von Zita Wyss und Isabella Steffen-Meister erarbeitete Konzept für die Basiskurse wurde bereinigt, aber noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Im zweiten Info-Bulletin vom 6. November konnten wir unser von Frau Susanne Baer Reimann entworfenes Logo vorstellen. Angekündigt wurde auch ein Antrag zur Änderung des Vereinsnamens in „Eltern-Kind-Singen“. An der 4. Vorstandssitzung, am 20. Dezember 2000 in beschlossen wir die Durchführung eines Kaderkurses unter der Leitung von Zita Wyss und Isabella Steffen-Meister mit 10 dafür angefragten Frauen, die bereits Erfahrung hatten im Mutter-Kind-Singen. Der Kurs begann bereits am 3. Januar und endete am 24. März. Die Kosten übernahm der Verein, die Absolventinnen mussten aber bei der ersten Leitung eines Basiskurses auf die Hälfte des Honorars verzichten. Am 11. Januar 2001 verschickte ich – nochmals an etwa 250 Adressen – das dritte Info-Bulletin mit der Ausschreibung der Basiskurse, der Information über den von Isabella Steffen-Meister geleiteten Nachdiplomkurs an der Kodaly-Schule, unserer Internet-Adresse und der Einladung zur Hauptversammlung. Wir konnten auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurückblicken.

Im März 2001 schlossen 7 Teilnehmerinnen den Kaderkurs mit einem Zertifikat ab. Sogleich begannen die ersten Basiskurse, nämlich in Zürich-Zollikerberg und in Chur. Sie gingen im November erfolgreich zu Ende. Im April schaltete ich eine eigene, selbergemachte Webseite ins Internet, die rege besucht und laufend aktualisiert wurde. An der Jahresversammlung wurde der Name des Vereins abgeändert in Eltern-Kind-Singen. Ich erarbeitete ein Set von Werbematerial, ein auf A5 gefaltetes weisses A4-Blatt mit einem kurzen Vorstellungstext und den wichtigsten Angaben zum Verein, darin 4 Flyer, deren Text je nachdem sich zum Auflegen in Kinderarztpraxen, Mütterberatungsstellen oder Quartiertreffs eignete und schliesslich ein weisses Bestell- und Anmeldeformular. Unser hübsches Logo prangte natürlich auf allen Drucksachen, auch auf den Briefumschlägen und dem Briefpapier; es gab sogar auch Visitenkarten und Briefverschlussmarken. All dies wurde ermöglicht durch eine grosszügige Spende eines Gönners. Am 1. September veranstalteten wir in Zürich einen grossen, erfolgreichen Büchertag. Es lagen weit mehr als 100 Bücher auf, z.T. aus der Landesbibliothek, und zu vielen davon wurden Kommentare geschrieben.  

Im Herbst 2001 wurde an einem Orgelkonzert in Zürich-Affoltern die Kollekte für unsern Verein bestimmt. Sie brachte Fr. 790.15 ein. In der Dezember-Nummer der Schweizer Musikzeitung erschien ein Artikel von mir über das Eltern-Kind-Singen und den Verein. Susi Reichle hatte Eltern-Kind-Stunden von Isabella Steffen-Meister auf Video aufgenommen. In eine dieser Aufnahmen habe ich einen Kommentar gesprochen und so eine Videokassette produziert. Sie wurde Ende Dezember 2001 herausgegeben und gibt einen guten Einblick in das Eltern-Kind-Singen. Die Zahl unserer Mitglieder nahm auf 112 zu, die Zahl der Gönner auf 25, die der Kollektivmitglieder auf 5.

Auch das dritte Lebensjahr unseres Vereins war recht bewegt. Schon im Januar starteten wir mit einem neuen Basiskurs in Zürich-Zollikerberg mit 12 Teilnehmerinnen, und um ein Haar wäre parallel dazu sogar ein zweiter Kurs im Raum Zug möglich geworden. Nach den Sommerferien begannen zwei weitere Basiskurse, einer in Zürich-Zollikerberg mit 10, der andere in Bremgarten bei Bern mit 8 Teilnehmerinnen. Im ganzen haben in diesem Jahr 28 Absolventinnen das Zertifikat erhalten. Der Vorstand besuchte im Sommer 2002 Prof. Gruhn und seine Eltern-Kind-Gruppen in Freiburg im Breisgau. Die Einblicke in diese Arbeit waren interessant; aber wir haben auch gesehen, dass wir auf den Weg stolz sein können, den wir in der Schweiz eingeschlagen hatten.

Wir intensivierten unsere Anstrengungen mit Inseraten und Artikeln in der SMZ, beim SAJM und bei den Musikschulen und den Elternorganisationen. Die Orff-Schulwerk-Gesellschaft Schweiz, wo ich im Vorstand sass, veranstaltete im Rahmen ihrer Kurse Informationstage über Eltern-Kind-Singen mit Isabella Steffen-Meister. Wir gaben ein Merkblatt heraus, das den Absolventinnen der Basiskurse helfen sollte, eine Trägerschaft zu finden oder selber Angebote aufzubauen. Im Jahr 2002 erschienen drei Info-Bulletins. Auch in diesem Jahr wurde die Kollekte eines Orgelkonzerts an der Kirche Zürich-Affoltern für den Verein Eltern-Kind-Singen bestimmt; sie ergab Fr. 946.65, und bei meinem 80. Geburtstag wurden Fr. 460.- gespendet.

      Im Jahr 2003 wurde ein neues Kurskonzept eingeführt und die bisherige Eintrittsprüfung durch eine Eignungsabklärung ersetzt. Unser Video wurde von der Professorin Christiane Wieblitz in den Orff-Schulwerk-Informationen wohlwollend besprochen. Die Angebotsliste auf unserer Webseite habe ich etwas ausgebaut; so wurde eine Spalte „Qualifikation“ eingefügt. Ende August konnten die Absolventinnen der Basiskurse erstmals zusammen mit den Nachdiplomandinnen am Austauschtreffen teilnehmen. Diese Treffen sollten in den kommenden Jahren zu einer äusserst wichtigen und beliebten Weiterbildungsgelegenheit werden. Im September begann am Musikzentrum in Solothurn, wo wir nun unsere Kurse anboten, unter der Leitung von Zita Wyss ein Kurs für Begleiten von einfachen Liedern am Klavier. Die Zahl der Mitglieder stieg im Jahr 2003 auf 139.

Isabella Steffen-Meister wurde vom Verein Eltern-Kind-Singen an die erste Konferenz des neu sich bildenden Netzwerks „Music Education and Research for Young Children“ am 8. und 9. November 2003 in Kopenhagen delegiert. Sie hat dort unsere Arbeit vorgestellt und ist mit neuen Ideen und Anregungen zurückgekommen.

Von Anfang an war mir klar gewesen: Eltern-Kind-Singen verlangt eine sehr gute Qualifikation der Leiterinnen auch in musikalischer Hinsicht. Schon in den ersten Monaten haben wir uns erfolgreich gewehrt gegen zu geringe Ansprüche, und mit der Einführung der Eignungsabklärung machten wir einen weiteren Schritt in dieser Richtung. Bereits 2001 habe ich versucht, die Verantwortlichen für die Ausbildung der Rhythmiklehrerinnen für das Eltern-Kind-Singen und damit für einen Schwerpunkt im Singen zu interessieren. Leider ist mir das nicht gelungen; aber ich bin immer noch überzeugt, dass es richtig wäre. Der Weg des Vereins konnte verantwortet werden, weil wir auf Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen zählen konnten, die im Seminar eine gute musikalische Ausbildung genossen hatten.

Am 7. Dezember 2003 haben wir mit 20 TeilnehmerInnen in Basel ein Seminar durchgeführt mit Maria Seeliger, Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim zum Thema Musik-Erleben für Kinder von 0 bis 18 Monaten. In dieser Phase sind die entwicklungspsychologischen Vorraussetzungen grundlegend anders als bei der Gruppe von anderthalb bis vierjährigen Kindern, um die es im normalen Konzept geht. Die Referentin konnte uns leider nicht in jeder Hinsicht überzeugen, aber Isabella Steffen-Meister hat nun für diese Stufe auf solider Grundlage ein eigenes Konzept erarbeitet.

Im Jahr 2004 wurde der Zertifikatskurs mit 9 Teilnehmerinnen im ersten Semester durchgeführt. Ende November begann in Solothurn ein Kurs mit Zita Wyss für Begleitung von Liedern am Klavier. Im Bericht des Bundesamtes für Kultur über den Stand der Musikerziehung in der Schweiz ist ein von mir verfasstes Kapitel dem Eltern-Kind-Singen gewidmet.

Auf unserer Webseite habe ich die Seite „Buchbesprechungen“ eröffnet mit zwei Beiträgen über interessante Forschungen; eigentlich sind es Inhaltsangaben der betreffenden Bücher.  Im ganzen habe ich bisher 7 solcher Rezensionen geschrieben und ich hoffe, dass sie von den Unterrichtenden auch gelesen werden. Für mich war diese Lektüre sehr aufschlussreich. Sie hat mir die Augen dafür geöffnet, wie wichtig das Eltern-Kind-Singen – weit über die Erhaltung eines Kulturguts hinaus – für die Entwicklung der Kinder ist, vor allem auch für die Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten.

Seit 2004 boten wir an der Hauptversammlung – um diese attraktiver zu machen – mit Erfolg eine Gratis-Weiterbildung an, zunächst mit Isabella Steffen-Meister zum Thema Singen, 2005 dann mit Martina Grenacher über Tanz und Bewegung im Eltern-Kind-Singen. Die Eignungsabklärungen und die Zertifikatskurse führten wir nun im Zentrum für Musik in Solothurn durch.

Schon lange hatte ich die Idee, eine Stiftung zu gründen. Diese hätte zunächst die Aufgabe gehabt, nach meinem Abgang ein professionelles Sekretariat, auch für die Kassenführung, das Info-Bulletin und die Betreuung der Webseite zu ermöglichen; zweitens hätte die Stiftung die Forschung am Eltern-Kind-Singen fördern sollen. Nach langen Bemühungen hatte ich in Ruth Genner (der damaligen Präsidentin der Grünen Schweiz und heutigen Stadträtin in Zürich) eine Persönlichkeit gefunden, die sich als Präsidentin zut Verfügung stellte. Sofort erarbeitete ich ein Statut und ein Reglement, legte beide Papiere der Eidgenössischen Stiftungs-Aufsicht und dem Handelsregisteramt Bern-Mittelland vor und nahm die von diesen Stellen verlangten Änderungen vor. Dabei zeigte sich immer deutlicher, dass die Gründung einer Stiftung sehr kostspielig wäre: Der eidgenössische Eintrag kostet Fr. 600.- (dazu ca. Fr. 300.- für die Vorprüfung), das Handelsregister Fr. 300.- (plus Fr. 135.- für die Vorprüfung), und schliesslich zeichnete sich ab, dass auch noch Notariatskosten von ungefähr Fr. 1000.-, Publikationskosten (wahrscheinlich etwa Fr. 700.-) und später jährliche Kosten für die Rechenschaftsberichte anfallen würden. Im Lichte dieser Zahlen und des Risikos, dass die Suche nach Geld schwieriger sein könnte als angenommen, hat der Vorstand schliesslich beschlossen, die ganze Sache abzublasen. Die Aufgabe, nach meinem Ausscheiden das Sekretariat zu sichern, war angesichts der recht guten Finanzen des Vereins nicht mehr so dringend.

Für die Forschung über Eltern-Kind-Singen war leider keine Unterstützung zu finden. Das habe ich erfahren, als Isabella Steffen-Meister ihre ersten Kurse mit Mutter-Baby-Singen durchführte. Ich kaufte damals – mit gegen 4000 Franken aus eigenen Mitteln – ein Aufnahmeset mit 3 Videokameras. Damit nahm ich die Stunden auf, das heisst ich richtete die drei Kameras jeweils ein und schaltete auf Aufnahme, nach der Stunde kam ich zurück, schaltete ab und demontierte das Ganze. Diese Aufnahmen hätten durch ein wissenschaftliches Team ausgewertet werden sollen, und dafür hätte ich Geld gebraucht. Aber nirgends war es aufzutreiben, weder beim Kanton Solothurn, noch bei den Kulturstiftungen, beim Nationalfonds, bei den Musikhochschulen oder den Pädagogischen Hochschulen, die für derartige Forschungen Mittel erhalten hätten. Das Aufnahmeset ist heute veraltet und nichts mehr wert, die Aufnahmen selber wandern in den Müll. Das ist schade, auch für das Geld. Aber auch für einfachere Studien war kein Interesse vorhanden. So wäre es interessant, zu erfahren, ob Kinder, die im Eltern-Kind-Singen waren, später auch Sprach- oder Rechenschwierigkeiten in der Schule haben wie etwa 7% aller Kinder, und mit gutem Willen wäre das z.B. in Solothurn ohne grossen Aufwand möglich gewesen.

Der Zertifikatskurs 2006 wurde mit nur 5 Teilnehmerinnen durchgeführt, obschon er nicht kostendeckend war. Am 8./9. April 2006 veranstalteten die Fernsehstationen DRS1 und 3Sat zusammen mit dem Theater Basel das Forum „Musik und Gesellschaft“. Unter den Referenten waren auch Prof. Günther Bastian und Prot. Lutz Jäncke. Dabei wurde der Film „Musik und das Gehirn tanzt“ uraufgeführt (und später auch im TV gezeigt), zu dem bei Isabella Steffen-Meister wesentliche Teile über Eltern-Kind-Singen gedreht worden waren. Das bot uns eine willkommene Plattform, um für unser Anliegen zu werben. Leider waren die in Solothurn gedrehten Sequenzen für eine neue Videokassette nicht geeignet. Deshalb habe ich die alte Kassette, die ausverkauft war, in eine DVD übertragen.

Am 10. Juni orientierte Isabella Steffen-Meister im Zentrum für Musik in Solothurn über die Arbeit mit Kleinkindern im Alter zwischen 0 und 12 Monaten und ihren Müttern. Sie bietet inzwischen in eigener Regie einen entsprechenden Ausbildungskurs an.

Die Eignungsabklärung/Standortbestimmung musste wegen zu geringer Anmeldezahlen zweimal verschoben werden. Zum Glück konnten alle fünf Kandidatinnen in den Zertifikatskurs 2007 aufgenommen werden. Erneut mussten wir im Interesse der Kontinuität einen Fehlbetrag in Kauf nehmen

Mit der Hauptversammlung 2007 übernahm Martina Grenacher von mir das Sekretariat, ich trat nach 7 Jahren als Präsident zurück, betreute aber noch bis Ende des Jahres die Kasse und die Webseite. Neue Präsidentin wurde Esther Spirig. Der Verein hatte jetzt ein finanzielles Polster und konnte getrost in die Zukunft blicken.

An der GV 2008 übernahm Martina Grenacher von mir auch die Kasse und die Betreuung der Webseite. Nach der GV bot Esther Spirig einen Weiterbildungskurs „Ein Bilderbuch als roter Faden im Eltern-Kind-Singen“ an. Das Austauschtreffen war wiederum ein grosser Erfolg. Isabella Steffen-Meister führte einen zweiten Zertifikatskurs für „Entwicklung in und mit Musik für Eltern mit Babys“ durch. Im Jahr 2008 fand kein Zertifikatskurs statt. Im Info-Bulletin (das von Martina Grenacher ein neues, professionelleres Gewand erhalten hat) suchten wir nach einem guten Bild und mit Erfolg nach einem Beitrag für mein Buch über Eltern-Kind-Singen. Ende des Jahres präsentierte Martina Grenacher auch unsere Webseite in einem neuen Kleid und ausgestattet mit neuen Möglichkeiten.

2009 konnte noch einmal – nach intensiver Werbung – ein Zertifikatskurs durchgeführt werden. Isabella Steffen-Meister eröffnete den neuen Ort für ihr Zentrum für Musik an der Gurzelngasse mit einem fröhlichen und bewegenden Fest. Auch dieses Jahr führte sie einen Zertifikatskurs für Eltern-Baby-Singen durch, und das Austauschtreffen war wieder mehr als ausgebucht. Erstmals gab es auch ein Austauschtreffen für Eltern-Baby-Musik.

Im Frühjahr 2009 erschien mein Büchlein über Eltern-Kind-Singen mit Beiträgen von namhaften Forschern aus der Pädagogik, der Psychologie und den Neurowissenschaften, aber auch aus der Praxis. Mit dem baldigen Erscheinen von „Musik von Anfang an“ von Isabella Steffen-Meister werden sich die zehn erfolgreichen Jahre des Vereins Eltern-Kind-Singen abrunden, und ich trete nach diesen zehn Jahren aus dem Vorstand zurück.

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