719786
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

 

Rückentherapie durch Zwerchfelltraining

Der Chiropraktor zog die Brauen hoch und machte ein bedenkliches Gesicht, als er die Röntgenbilder meines Rückens erblickte. ‚Mit diesem Rücken’, sagte er, ‚werden Sie in den nächsten Jahren regelmässig nach Leukerbad zur Kur müssen’. Für einen Fünfzigjährigen war das wenig erfreulich. Aber heute, mit 96 Jahren, darf ich getrost über diese Prognose lächeln, denn ich musste nie eine Bäderkur machen, und ich habe absolut keine Rückenprobleme.

Wie das möglich wurde, ist eine wunderbare Geschichte: Ich besuchte einen Kurs für Atemtechnik, weil die in meiner Ausbildung als Sänger zu kurz gekommen war. Dort lernte ich, wie unser Atem funktioniert: Das Zwerchfell, unser quer im Rumpf liegender grösster Muskel, wird beim Einatmen tonisiert, das heisst: es füllt sich prall mit Blut. Dadurch wird es dicker und senkt sich. Und weil die Lunge nachgezogen wird, füllt diese sich mit Luft.

Besonders interessant ist das sogenannte ‚Ab­spannen’, die rasche Luftergän-zung: Beim Artikulieren (z.B. eines Konsonanten) wird die Luft an den Zähnen, den Lippen oder am Gaumen gebremst, es entsteht die sogenannte Artikulationsspannung. Wenn ich diese ab­rupt löse – etwa nach einem kräftigen „sch“ – wird das Zwerchfell blitzartig (in einer Fünftelsekunde!) tonisiert, und die Luft strömt lautlos in die Lunge. Ein Sänger oder Sprecher, der dieses Abspannen beherrscht, hat jederzeit genügend Luft, ohne ‚einschnaufen’ zu müssen.

Voraussetzung ist allerdings, dass das Zwerchfell dafür trainiert wurde; denn bei den meisten Leuten ist es ziemlich schlapp. Dazu habe ich eigene Übungen entwickelt und sie stur angewendet. So habe ich mir ein sehr starkes und flexibles Zwerchfell antrainiert. Dank ihm gibt es kein Einzie­hen des Atems mehr, das Atmen beim Sprechen oder Singen passiert automatisch und blitzschnell. Ich kann einen langen Vortrag halten oder einen ganzen Liederabend singen, ohne je hörbar zu atmen.

Ein starkes Zwerchfell bietet eine Menge von wei­teren Vorteilen: Es ermöglicht eine saubere Arti­kulation, die Stimme bleibt rund und klangdicht, also ohne falsche Luft bis ins hohe Alter, und es ist die perfekte Atem­stütze. Und es hilft – jetzt kommts! – automatisch zu einer guten Haltung. Denn dieser mächti-e Muskel ist mit der Rückenmuskulatur verschränkt. Das ist der Grund, wes-halb ich trotz meines schlechten Rückens ohne Beschwerden geblieben bin.

Diese Erkenntnis gebe ich gerne weiter. Das Zwerch-fell-Training ist eine garantiert wirkende Therapie, ohne unerwünschte Neben-wirkungen und zudem vollkommen gratis. Allerdings: beharrliches Üben ist unbedingt notwendig.

Grundübung: Kräftiges SCH abrupt beenden, zwanzigmal wiederholen. Sie können dazu die Hände kräftig auseinander ziehen oder auch die Fäuste ballen und beim Abspannen loslassen. Dabei müssen Sie nie einatmen (sonst haben Sie es nicht richtig gemacht), obschon jedesmal eine ganze Menge Luft ausgestossen wird. Es kann auch ein SSS oder ein FFF sein, oder die unten stehende Serie von vier kurzen Wörtern.

Wiederholen Sie diese kurze Übungen jeden Tag zwanzig Mal und achten Sie darauf, dass Sie die Spannung wirklich ganz plötzlich lösen. Wenn Sie es gut machen, spüren Sie vielleicht etwas Muskelkater. Und nach anderthalb Monaten – über nur bei stetigem Üben! – wird sich Ihr Rücken bedanken. Ich freue mich auf positive Rückmeldungen.

Ernst Waldemar Weber, Muri bei Bern, ewawe@muri-be.ch. 

 

labial dental guttural
     
hopp satt Flick
schlapp fett Wrack
Flip fit Leck
Flop Hit Schock
     
komm drin Gang
nimm dran streng
stumm grün spring
Tram Wein Song
     
Orff Nuss Stich
Suff goss ach
Pfiff wasch Dolch
Treff Maus Bauch

  

 Jede Vierergruppe 10 Mal sprechen mit deutlichem Ab­spannen: Nicht den Vokal betonen, sondern den Schluss­konsonanten scharf absetzen, ja nicht „auslaufen“ lassen. Nicht zu schnell, damit der Atem von selbst einfliesst.